Unterwegs auf der Märchenstraße III

Unser dritter und vorerst letzter Drehtag auf der Deutschen Märchenstraße beginnt tatsächlich in märchenhafter Atmosphäre. Morgens um halb sieben im Urwald… Genauer: Zwischen den bemoosten Baumriesen im ältesten Naturschutzgebiet Hessens, dem „Urwald Sababurg„. Wir sind 100 Kilometer von Hameln entfernt – und haben das Gefühl, (mindestens) 100 Jahre in die Zeit zurückgereist zu sein. Natur, Bäume und Stille, mehr scheint es in dieser Welt nicht zu geben.

Fast ein bisschen beschämt stellen wir unsere Scheinwerfer auf, beginnen zu drehen und schwören uns, dass wir eines Tages wiederkommen werden, um diesen Wald mit der Ruhe zu genießen, die er verdient hat. Und um das Dornröschenschloss Sababurg zu besuchen, wenn die Rosen blühen. Für den ViaSaga-Trailer ist die winterliche Stimmung zwischen den alten Mauern allerdings perfekt, schließlich hat in unserem Film ausnahmsweise nicht die strahlende Prinzessin das Wort, sondern die finstere 13. Fee.

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Die Sababurg bei Nacht.

Wir drehen, bis die Sonne untergeht. Irgendwann sind wir allein auf der Burg. In der Dunkelheit. Mit den Gedanken tief eingetaucht in eine andere Welt. Und plötzlich hören wir sie. Erst einen, dann immer mehr: Wölfe…

Wir wissen, dass ihr Heulen aus dem nahegelegenen Wildpark zu uns heraufschallt.

Eine Gänsehaut bekommen wir trotzdem.

Alle Bilder in diesem Beitrag (2): (c) Familie Koseck, Dornröschenschloss Sababurg

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Unterwegs auf der Märchenstraße II

Dunkler gehts nicht. Und enger kaum noch… Gebückt erkunden wir das historische Kupfererzbergwerk in Bergfreiheit. Der kleine 400-Seelen-Ort an der Deutschen Märchenstraße trägt nicht umsonst den Titel „Schneewittchendorf“. Irgendwann einmal muss es hier Zwerge gegeben haben, denn anders sind die Dimensionen der unterirdischen Stollen kaum zu erklären.

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Blick ins Kupferbergwerk Bertsch

Kamera und Kostüme bekommen ihr Fett weg, und als wir nach Abschluss der Dreharbeiten endlich ans Tageslicht zurückkehren, sehen wir selbst ein bisschen wie abgekämpfte Kumpel aus. Hunger haben wir jetzt für sieben Zwerge PLUS einem ausgewachsenen Schneewittchen. Zurück im Hotel müssen wir jedoch mit Schrecken feststellen, dass die Küche bereits geschlossen ist. Wir machen es uns auf dem Bett so gemütlich wie möglich und verspeisen den restlichen Reiseproviant. Ganz zum Schluss bleibt noch der rote Apfel übrig, den wir als Requisite mitgenommen haben.

Ein kurzes Zögern – und wir beißen todesmutig hinein. Zur Not muss uns morgen früh dann eben ein Prinz wachküssen…

 

Unterwegs auf der Märchenstraße

Nun ist es also tatsächlich soweit: Wir sind unterwegs. Zum ersten Mal unterwegs auf der Deutschen Märchenstraße, die sich von Bremerhaven bis Hanau erstreckt. Von der Rattenfängerstadt Hameln aus starten wir zum dreitägigen Dreh unseres VisaSaga-Trailers. Mit dabei: Die 13. Fee, der Wolf, die böse Hexe, der Rattenfänger und andere finstere Gesellen, die uns ihre Sicht der Dinge erzählen werden. Wie war das damals mit dem vergifteten Apfel? Hat Rotkäppchen sehr geweint, bevor es gefressen wurde? Und die entführten Hamelner Kinder: Was ist aus ihnen geworden?

Videojournalistin Nina Reckemeyer und Dewezet-Projektmanagerin Claudia Bubat haben einen Kleinbus voller Requisiten gepackt. Vom Becherlein bis zur hölzernen Wiege darf nichts fehlen, wenn es dunkel wird im Wald und die düsteren Sagengestalten am Herdfeuer zusammenrücken, um ihre Geschichten zu erzählen. Denn die leben von einer ganz besonderen Stimmung, in der alte Zeiten, mystische Figuren und Natur zu einer zauberhaften Einheit verschmelzen.

vlcsnap-2016-01-27-19h24m39s258Genau diese Atmosphäre wollen wir einfangen: Nicht den Zuckerguss, der sich im Lauf von Jahrhunderten über so manchem Märchen gebildet hat, sondern die rauhen, geheimnisvollen und beunruhigenden Seiten. Sagen sind kein Kinderkram. Das wird jedes Kind bestätigen, das nach dem Erzählen schon einmal wach im Bett gelegen und Schatten an den Wänden beobachtet hat.

Auf dem Weg zum Schloss Friedrichstein in Bad Wildungen, unserem ersten Drehort, fühlen wir uns selbst ein bisschen wie Abenteurer aus einer anderen Zeit. Wir haben einen Plan – aber keine Ahnung, was uns wirklich erwartet.

 

 

 

Der Weiße Hirsch am Anfang

Viele Geschichten – vor allem die, deren genauen Ursprung niemand kennt – beginnen mit „Es war einmal“. Und so soll auch diese Geschichte beginnen, denn wann und wie sie wirklich angefangen hat, vermag von uns niemand mehr zu sagen.

Es war einmal „Der Weiße Hirsch vom Hohenstein„, herausgeschmökert aus der Sammlung „Die schönsten Wesersagen“ von Karl Paetow. Eine wunderschöne, geheimnisvolle Legende aus dem Weserbergland, das in seinen Tälern, auf seinen Bergrücken und schroffen Felsen, zwischen Buchenstämmen und alten Gemäuern zahlreichen Mythen und Märchen eine Heimat gibt.

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An der Weser

Es war einmal die Erkenntnis, dass Geschichten wie die vom weißen Hirsch in jedem Wald, auf jedem alten Dorfplatz und unter jedem Felsen zu finden sind. Sie spielen nicht (nur) in Büchern, sondern überall um uns herum. Manche sind weltberühmt wie der „Rattenfänger von Hameln“, andere so gut wie unbekannt. Und alle stecken voller Magie, Symbolik und Geschichte.

Sie berichten davon, wie unsere Vorfahren sich die Welt erklärten, wie sie zwischen Gut und Böse unterschieden und ihre Ängste, Sorgen und Sehnsüchte in Worte kleideten, um sie leichter zu ertragen. Die Zeiten, in denen sie entstanden sind, waren hart und unsicher, Unterhaltung und Vergnügen Mangelware – und so ist jede Sage gleichzeitig geteiltes Leid UND geteilte Freude. Ein kleiner Ausbruch aus der Realität, ohne dabei den Ernst des Lebens aus den Augen zu verlieren.

Es war einmal der Wunsch, diesen Schatz zu erhalten, indem man sich – wie es sich für ein Märchen gehört – auf eine lange Reise begibt, um ihn zu suchen, zu finden und zu zeigen. Nicht in Büchern, sondern auf eine neue Art und Weise. Das ist es, womit wir nach diesem ersten „Es war einmal“ beginnen wollen.

„Wir“ sind ein Team der Deister- und Weserzeitung aus Hameln, das das Projekt ViaSaga in den nächsten Monaten mit Leben füllen wird. Mit Artikeln, Reportagen, Bildern und Videos über alles, was nicht (ganz) von dieser Welt ist, und doch ganz eng mit ihr verbunden :). Solange unsere Homepage noch im Aufbau ist, findet ihr alle Informationen hier im Blog.